Hochofenwindgebläse
(Station 2)
Die Aktiengesellschaft Ilseder Hütte wurde 1858 auf Basis der Erzlagerstätte Bülten-Adenstedt gegründet. Das Hochofenwerk mit zunächst zwei Hochöfen zur Verhüttung der Erze ist in Groß Ilsede errichtet worden, da hier mit dem Flüsschen Fuhse das für den Verhüttungsprozess erforderliche Kühlwasser vorhanden war.
Das Eisenerz aus den Lagerstätten der Ilseder Hütte – anfangs Bülten/Adenstedt, danach Lengede/Broistedt, dem Salzgittergebiet und später auch aus dem Ausland – wurde von 1860 bis 1983 in den Hochöfen des Ilseder Hochofenwerkes zu Roheisen geschmolzen. Insgesamt sechs Hochöfen wurden im Laufe der Jahre gebaut.
Für den Verhüttungsprozess im Hochofen benötigte man zur Erreichung der Schmelztemperatur des Erzes und der Zuschlagstoffe, dem sogenannten Möller, auch Koks. In wechselnder Folge wurde der Hochofen damit beschickt.
Der Verhüttungsprozess im Hochofen wurde durch Einblasen von „Heißwind“ über ringförmig angeordnete Düsen gewährleistet. Mit dem Koks konnte die Reduktionstemperatur erzeugt und der Prozess stabilisiert werden. Eisen und Schlacke tropften in den Unterofen und wurden durch das unterschiedliche spezifische Gewicht getrennt „abgeleitet“. Die heimischen Erze hatten ein Eisengehalt von circa 30%, so dass mehr als die doppelte Menge Schlacke erzeugt wurde.
Der Wind für den Hochofen wurde durch Gebläsemaschinen, den sogenannten Hochofen-Windgebläsen erzeugt – anfangs waren dies gasbetriebene Kolbenmaschinen.
Zu jedem Hochofen gehörten auch Winderhitzer, die den erzeugten Wind aufheizten. Gasbrenner erhitzten dabei feuerfeste Gittersteine, über die der Wind geleitet wurde. Die Blas-Temperatur bei den modernen Ilseder Hochöfen betrug am Hochofen 1.000 Grad Celsius.
Nach der Inbetriebnahme der modernen Sinteranlagen und dem Einsatz von Erzen aus dem Ausland mit höherem Eisengehalt wurden in Ilsede mit 3 Hochöfen 150.000 Tonnen Roheisen im Monat produziert.
Im Jahr 1983 wurde die Roheisenproduktion in Ilsede eingestellt und aus wirtschaftlichen Gründen auf den Standort Salzgitter der Stahlwerke Peine-Salzgitter verlagert.
Gehäuse eines Hochofen-Windgebläses
Baujahr: 1964
Leistung:
160.000 m³/Luftverdichtung von 1,0 ata auf 2,6 ata Druck
Antriebsleistung des 10 kV Elektromotors:
6,6 MW bei 1.500 Upm
hochgeregelt durch ein Zwischengetriebe auf
die Gebläsedrehzahl von 4.379 Upm
Durch eine Leitschaufelverstellung konnte die erzeugte Luftmenge bedarfsgerecht bis auf 90.000 m³ heruntergeregelt werden.
Parallel zu diesem Gebläse waren ein Elektro- und ein Dampfmaschinen-Gebläse in Betrieb.
Diese sind heute noch in der Gebläsehalle zu sehen.
Bildunterschriften oben – von links nach rechts
– Die Gebläsehalle bietet heute ausreichend Raum und denkmalgeschütztes Ambiente für kulturelle Veranstaltungen
– 5 Gasbetriebene Kolben-Maschinen erzeugen nun den Wind für die Hochöfen
– Der Montage und Inspektionskran für die Gebläsemaschinen wird aufgebaut
– Noch erhaltene Gebläsemaschinen – E+ Dampfgebläse in der Gebläsehalle ab 1964 im Einsatz
– In den Winderhitzern wurde über gasbeheizte Gittersteine der Heißwind für den Hochofen erzeugt (um 1910)
Quelle: Informationstafel „Hochofenwindgebläse“, Industriepfad im Gewerbepark Ilseder Hütte, Groß Ilsede. Abschrift nach einer fotografischen Aufnahme der Tafel.