Anlage einer Roheisenhochbahn der Ilseder Hütte (1908–1910)

Warum die Hochbahn entstand

Die Idee zur Roheisenhochbahn hing eng mit der Entwicklung der Ilseder Hütte und des Peiner Walzwerks zusammen. Der Transport von Roheisen war umständlich, teuer und technisch wenig effizient, da das Material zunächst erkaltet, in Stücke zerschlagen, verladen und anschließend erneut eingeschmolzen werden musste. Mit der Hochbahn wollte man diesen Ablauf vereinfachen, Kosten senken und zugleich eine gleichmäßigere Qualität des Fabrikats erreichen.

Der technische Hintergrund

Bereits bei der Gründung der Ilseder Hütte war man davon ausgegangen, dass Kohle und Erz in der Region verfügbar seien. Als sich die Hoffnungen auf ausreichende Kohlevorkommen zerschlugen, wurde der Transport zu einem zentralen wirtschaftlichen Faktor. Deshalb entstand zunächst die Pferdeeisenbahn, die 1872 auf Dampfbetrieb umgestellt wurde, und später der Plan für eine separate Hochbahn, um den Roheisentransport von anderen Verkehrsarten zu trennen.

Planung und Bau

Der Genehmigungsantrag vom 1. Dezember 1908 beschreibt die Hochbahn als technisch aufwendige, aber wirtschaftlich sinnvolle Lösung. Geplant war ein 501 Meter langes Bauwerk aus 21 eisernen Brückenkonstruktionen, das von der ehemaligen Zuckerfabrik an der Ilseder Straße quer durch die Südstadt bis zum heutigen Walzwerk führte. Die Strecke verlief oberhalb der bestehenden Bahn und war über zwei Erdrampen an das Niveau der Anlage angeschlossen.

Schutzmaßnahmen und Einwände

Die Konstruktion wurde so ausgelegt, dass Sicherheit und Betrieb möglichst gut miteinander verbunden werden konnten. Dazu gehörten eine Betondecke, eine Schotterschicht zur Schalldämmung sowie seitliche Wände, die sowohl das Herabstürzen von Zügen als auch herabspritzendes Eisen verhindern sollten. Dennoch machte die Stadt Peine früh auf die Belastungen für Anwohner aufmerksam: genannt wurden Brandgefahr, Lärm, Beeinträchtigungen des Stadtbildes und mögliche Nachteile für die Entwicklung des südlichen Stadtteils.

Verhandlungen und Entschädigung

Bei der öffentlichen Verhandlung am 18. März 1909 waren Vertreter der Stadt, der Ilseder Hütte, staatlicher Behörden sowie zahlreiche betroffene Eigentümer anwesend. Die Stadt setzte schließlich eine Entschädigung von 100.000 Mark für das Gemeinwesen durch, die am 24. Juni 1909 vereinbart wurde. Damit war der Weg für die Umsetzung des Vorhabens frei.

Inbetriebnahme und Wirkung

Nach einer Belastungsprobe im Dezember 1909 erfolgte die Betriebsabnahme am 13. Dezember 1909. Letzte Mängel wurden bis Anfang August 1910 beseitigt, sodass die Hochbahn anschließend über Jahrzehnte das Bild der Peiner Südstadt prägte. Sie stand sinnbildlich für den industriellen Aufschwung, war aber zugleich auch ein dauerhaftes Zeichen der Belastung durch die Industrie.

Abriss der Hochbahn

Im Jahr 1970 wurde die Hochbahn abgerissen, um Platz für die Nord-Süd-Brücke zu schaffen. Damit verschwand ein technisches Bauwerk, das über rund 60 Jahre lang ein markanter Bestandteil der Peiner Industriegeschichte gewesen war.

Quellenhinweis

Die Angaben beruhen auf dem Flyer „Anlage einer Roheisenhochbahn der Ilseder Hütte (1908–1910)“, veröffentlicht als Archiv-Sonderblatt 3/2022 des Stadtarchivs Peine.