Geschichte der Peiner-Ilseder Eisenbahn und Hochbahn

Entstehung der Peine–Ilseder Eisenbahn

Die Peine–Ilseder Eisenbahn entstand aus den Anforderungen der Industrieentwicklung im 19. Jahrhundert. Bei der Gründung der Ilseder Hütte im Jahr 1858 war eine Bahnverbindung zunächst noch nicht vorgesehen; Rohstoffe wurden anfangs mit Fuhrwerken transportiert. Erst am 30. April 1862 beschloss die Generalversammlung der Ilseder Hütte den Bau der Strecke, die Konzession wurde am 14. Juli 1864 erteilt.

Erster Betrieb und Personenverkehr

Am 2. Mai 1865 fuhr der erste Güterzug von Peine nach Groß Ilsede. Zunächst wurden die Wagen noch von Pferden gezogen. Die Trasse verlief parallel zur Fuhse und orientierte sich an den natürlichen Geländeverhältnissen. Auf behördliche Vorgabe hin musste die Bahn nicht nur dem Güterverkehr, sondern auch der Personenbeförderung dienen; der öffentliche Personenverkehr begann schließlich am 22. September 1866.

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Entwicklung der Bahn

Mit der Anschaffung der ersten Dampflokomotiven im Jahr 1872 verkürzte sich die Fahrzeit nach Peine deutlich, von etwa einer Stunde auf rund 20 Minuten. Der Personenverkehr entwickelte sich in den folgenden Jahrzehnten stark: von rund 10.000 Fahrgästen im Jahr 1874 auf knapp 30.000 im Jahr 1883, später auf fast 150.000 im Jahr 1898. Einen Höchststand erreichte die Bahn 1948 mit etwa 2 Millionen beförderten Personen.

Der Bahnhof an der Jägerstraße

Ein wichtiger Punkt im Peiner Stadtbild war das Bahnhofsgebäude an der Jägerstraße, das am 30. September 1895 eröffnet wurde. Später wurde das Gebäude erweitert; zeitweise befand sich dort auch eine Schankwirtschaft. Mit dem Bahnbetrieb entstand an der Jägerstraße jedoch ein wachsendes Schrankenproblem, das für Fußgänger durch eine Unterführung zwischen Braunschweiger Straße und Jägerstraße zumindest vorübergehend entschärft wurde. Diese Unterführung wurde am 23. Mai 1906 eingeweiht, später jedoch wieder geschlossen.

Das Werksbahnnetz der Ilseder Hütte

Das gesamte Schienennetz der Ilseder Hütte wuchs im Lauf der Zeit stark an. Neben der normalspurigen Peine–Ilseder Bahn existierten ausgedehnte Schmalspurbahnen in mehreren Spurweiten. In den 1950er Jahren erreichte das Netz eine Länge von über 200 Kilometern und band auch weitere Unternehmen an das Eisenbahnnetz an, darunter die Zuckerfabrik Peine an der Ilseder Straße.

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Ende des Personenverkehrs

Wie viele regionale Bahnverbindungen geriet auch die Peine–Ilseder Bahn unter den wachsenden Druck des Straßenverkehrs. Am 1. Dezember 1969 wurde der Personenverkehr auf Busbetrieb umgestellt. Das Bahnhofsgebäude an der Jägerstraße wurde bereits im Januar 1970 abgerissen. Nach der Fusion von Ilseder Hütte und Salzgitter AG im Oktober 1970 gingen die Verkehrsbetriebe beider Unternehmen zum 1. Januar 1972 in den „Verkehrsbetrieben Peine-Salzgitter GmbH“ auf.

Die Hochbahn

Ein besonders markantes Kapitel der Peiner Industriegeschichte war die Hochbahn. Sie wurde am 4. Januar 1911 in Betrieb genommen und diente dem Transport von flüssigem Roheisen aus dem Hüttenwerk in Ilsede nach Peine. Die Strecke verlief parallel zu den ebenerdigen Gleisen, da das heiße Eisen aus Sicherheitsgründen nicht über die bestehende Personenstrecke befördert werden durfte.

Belastung für die Anwohner

Für viele Anwohner, besonders in der Südstadt, war die Hochbahn allerdings nicht nur ein technisches Symbol des Fortschritts, sondern auch eine erhebliche Belastung. Rauch, Ruß, Staub und Lärm prägten den Alltag über Jahrzehnte. Die vorbeifahrenden Wagen verkehrten teilweise im Halbstundentakt, auch nachts. Zwar gab es Auflagen zur Verringerung von Lärm und Emissionen, doch änderten sie an der grundsätzlichen Belastung offenbar nur wenig.

Ende der Hochbahn

Mit dem Abriss der Hochbahnanlage am 22. November 1970 endete diese Epoche. Danach wurde der Transport des flüssigen Eisens ebenerdig und eingleisig fortgeführt. Der letzte Roheisenzug passierte die Strecke am 28. April 1983.

Quellenhinweis

Die Angaben beruhen auf dem Flyer „Zur Geschichte der Peine–Ilseder Eisenbahn und Hochbahn“, veröffentlicht als Archiv-Sonderblatt 1/2018 des Stadtarchivs Peine, verfasst von Michael Utecht.